Filmkritik: Mission Impossible – Rogue Nation

Eine Kritik zu einem Film mit Tom Cruise ist immer zweischneidig. Viele mögen ihn nicht – auch jenseits seiner Aktivitäten im Filmbusiness. Unter Filmliebhabern stellt sich die Frage, warum der 53-Jährige noch immer sein Talent fast ausschließlich in Action- oder Science Fiction-Thrillern zeigt. Dass er durchaus als Schauspieler ernst zu nehmen ist, hat er in „Magnolia“, „Jerry Maguire“ oder „Geboren am 4. Juli“ bewiesen.

Der bereits fünfte Mission Impossible-Teil (M:I 5) führt Cruise als Ethan Hunt nach Minsk, London, Wien, Casablanca, Havana und Paris – um „Das Syndikat“ und seinen Kopf auszuhebeln, eine Art Anti-Geheimorganisation zu Hunts Geheimorganisation IMF. Ein Nebenplot dreht sich um CIA-Chef Hunley (Alec Baldwin), der IMF wenn schon nicht auflösen, dann zumindest unter seine Kontrolle stellen will. Der Blog Filmkompass gibt die Handlung ausführlicher wieder und bespricht ihn ebenfalls.


Was zeichnet das neue M:I-Abenteuer nun aus? Hervorragend inszenierte Actionsequenzen zum einen – das darf man voraussetzen. Was mich erfreut hat: sie wirken aus einem Guss, schlank und gemessen am zweiten und dritten Teil des Franchises nicht aufgesetzt, vielleicht für einige Geschmäcker manchmal den berühmten Tick zu lang. Die Szenen in der Wiener Oper beweisen: das alles ist gekonnt, sinnvoll und stimmig montiert. Auch die jeden M:I-Film definierende Stunt-Szene mit Tom Cruise im Volleinsatz am Militär-Airbus wirkt innerhalb der Filmlogik nicht zu übertrieben (streng physikalisch betrachtet sieht’s anders aus – aber hey, es ist ein Film).

Sonderlob für Robert Elswit

Zum anderen ist „Rogue Nation“ insgesamt treffend komponiert und zeichnet sich durch effektiven, aber nicht zu hektischen Filmschnitt in den rasanten Szenen aus und wurde von Kamermann Robert Elswit in stimmige, aber nicht hochgestyle Bilder eingefangen  – Ilsa Fausts Zweikampf mit dem „Knochendoktor“ in London kurz vor dem Ende verdient ein Sonderlob wie auch besagtes Opernszenario.

Auf Handlungsschnickschnack wie die sonst übliche und oft nervtönede Liebesaffäre des Helden verzichtet das neue Abenteuer erfreulichweise. Simon Pegg darf als Benji Dunn neben Ving Rhames für wohldosierten Humor sorgen, jenseits von Klamauk oder käsigen Sprüchen.

Die Schnörkellosigkeit ist das große Plus von M:I 5. Der Film bleibt sich im Ton des Agententhrillers mit Verschwörungsplot treu, ist weder zu ernsthaft noch der Gadgetteil zu unrealistisch. Sicher, ein wenig mehr Selbstironie hätte der Hauptdarsteller an den Tag legen können. Aber mit Rebecca Ferguson als Agentin Ilsa Faust wurde Tom Cruise eine ähnlich zupackende Figur an die Seite gestellt – auch keine Selbstverständlichkeit in dem Genre.

Fazit

Ich habe mich perfekt unterhalten gefühlt: Timing, Setting und (die elegante) Inszenierung des Actionfilms wirkten frisch, sehenswert und gekonnt. Cruise überzeugt wie seine Mitstreiter: er hat seine obligatorische Laufszene wie immer, macht in den perfekt choreografierten Stunts eine glaubhafte Figur. Über die Handlung muss man an dieser Stelle keine Worte verlieren, aber wir sprechen auch über einen Blockbuster.

Hohe Messlatte für „Spectre“

Er ist kurzweilig, toll fotografiert und macht Spaß. Zweierlei beweist der Film: der einzige Franchise von Tom Cruise benötigt nicht die Handschrift eines Regisseurs und kann auf seinen Hauptdarsteller (dem das nicht mehr ganz so jungenhafte Gesicht gut steht) und seinem Musikthema von Lalo Schifrin vertrauen. Außerdem setzt er die Messlatte für den eigentlichen Höhepunkt des Agentenfilmgenres in diesem Jahr recht hoch: James Bond muss in „Spectre“ einiges aufbieten, um nicht gegen „Rogue Nation“ abzufallen.

Ich empfehle M:I – Rogue Nation als perfekten, anspruchsvolleren Actionfilm des Kinosommers 2015.

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5 Kommentare zu „Filmkritik: Mission Impossible – Rogue Nation

  1. Ich hab mich durch alle vier Teile geschaut. Teil 2 war dermaßen langatmig, bis er mal in die Strümpfe kam. Und diese Liebesgeschichten…. DIESE LIEBESGESCHICHTEN. Braucht kein Mensch. Der Rest unterhält ganz hübsch. Und deine Worte machen tatsächlich Lust auf den 5. Teil.

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    1. Teil 1 ist aus heutiger Sicht viel zu aufgesetzt und versucht nur, ein intelligenter Agententhriller alter Schule zu sein (davon ab: die Eurotunnelszene- Hilfe!). Teil zwei ist abgesehen von der Kletterei am Anfang alberner, pathetischer Kram. Mit Teil kam der Franchise in die Spur, aber die beiden letzten Teile zeigten, wie es geht: schnörkellos, viel Action (manchmal zu lang) und OHNE love interest.

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