Carol oder Salz und sein Preis

Studiocanal hat den ersten Teaser Trailer der Literaturverfilmung „Carol“ veröffentlicht:

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Patricia Highsmith und zeigt Cate Blanchett und Rooney Mara in den Hauptrollen. Buch wie Film erzählen die 1952 angesiedelte Geschichte der jungen Bühnenbildnerin Therese, die aushilfsweise in einem New Yorker Kaufhaus arbeitet und sich dabei in Carol verliebt. Die reife, verheiratete Carol lässt sich nach anfänglichen Zweifeln auf die Affäre ein und blickt in den Abgrund: Verlust und Kind, Familie und Geld.

Zum Film

„Carol“ ist die jüngste Arbeit von Regisseuer Todd Haynes, der mit „Velvet Goldmine“ und besonders dem Melodram „Dem Himmel so fern“ einem größeren Publikum bekannt wurde. Zuletzt zeigte sich Haynes für die Serie „Mildred Pierce“ verantwortlich, in der Kate Winslet und Guy Pearce in den Hauptrollen zu sehen waren. Besonders für „Dem Himmel so fern“ konnte Haynes hymnische Kritiken einfangen.

Der Film war bei den Academy Awards für Haynes‘ Original-Drebuch, Hauptdarstellerin (Julianne Moore), Kamera (Edward Lachman) und Filmmusik (Elmer Bernstein) nominiert und handelt von den gleichen gesellschaftlichen Konflikthemen wie die Highsmith-Adapation: (versteckte) Homosexualität in den USA der in den 50er Jahre, Aufbrechen der klassischen Rollenbilder, Sehnsüchten, Verlustängsten.

Laut englischem Wikipedia-Entrag wurde in sieben Wochen abgedreht, Hauptdrehort war Cincinnati, Ohio, das als New York-Double fungierte. Der Film wurde bei den Filmfestspielen in Cannes diesen Jahres begesteiert aufgenommen. Das Branchenblatt Variety fand, der Stoff sei für Regisseur Todd Haynes „eine offensichtliche Wahl“ gewesen, die er exquisit mit zwei brillanten Darstellerinnen gezeichnet habe. In der New York Times sprach der Regisseur am Rande des Festivals über die Entstehung und cineastische Vorbilder. Der Filmblog Indiewire beschrieb Cannes‘ Kritikerliebling als Film, der es verstehe, die versteckten Gesellschaftscodes der Zeit einzufangen, und hob neben Cate Blanchett besonders Rooney Maras Spiel hervor. Der britische Guardian fand den „herausragend intelligent“ und lobte die Ausstattungsdetails.

Herausragend intelligent.

The Guardian

Auch die deutschen Kritiker reagierten positiv. Die Zeit fand wie der Guardian neben den Schauspielleistungen Stil und Ausstattung vollkommen. „Carol“ sei ein „filmisches JA! zur Leidenschaft“. Dem Spiegel geriet der Film in seiner Ästhetik zu kontrolliert, aber Rooney Mara hätte sich mit der Leistung „für höchste Ehren empfohlen“. Für die Süddeutsche Zeitung war der Film wohltuend „altmodisch“ erzählt, genau der Typ Filme, den die Hollywood-Studios vernachlässigen würden.

Die Goldene Palme gewann die von vielen favorisierte Verfilmung schließlich nicht, aber Rooney Maras Preis für die weibliche Darstellung (geteilt mit Emmanuelle Bercot) lässt für die Filmpreis-Saison erahnen, wohin die Reise gehen könnte.

Zum Buch

Das Buch war bei Erscheinen mit dem Thema der lesbischen Liebe ein äußerst heikles Thema. Wenn Frauen Frauen lieben, wie Die Zeit in einer Besprechung anlässlich des 70. Geburtstag der Autorin schreibt, habe dennoch selbst zu jener Zeit erstaunliche Reaktionen hervorgerufen: „Hunderte von Leserinnen und Lesern schrieben Briefe. Unter dem Pseudonym Claire Morgan wurde Highsmiths Roman, im Original „The Price of Salt“, ein Millionenerfolg, der vielen Frauen aus der Seele gesprochen hätte.

Im Guardian wurde herausgestellt, welche ambivalente Sichtweise die Autorin der Ripley-Romane auf ihr Buch selbst hatte. Anlässlich der Biographie „The Talented Miss Highsmith“ von Joan Schenkar wurde in der Besprechung der New York Times die Entstehungsgeschichte des Liebesromans erwähnt, die auf eine eigene persönliche Erfahrung der Autorin zurückgeht.

978-3-257-24324-6 (2)
Foto: Diogenes Verlag

Eine ausführliche Besprechung ist auf der Seite von Dieter Wunderlich zu lesen.

Auf Deutsch ist „Carol oder Salz und sein Preis“ im Diogenes Verlag erschienen und mittlerweile als Taschenbuch und E-Book erhältlich. Dort erscheinen ebenfalls die weiteren Highsmith-Werke. Ein deutsches Hörbuch liegt aktuell nicht vor.

978-3-257-06898-6
Foto: Diogenes Verlag

Auch Joan Schenkars Biografie ist auf deutsch als „Die talentierte Miss Highsmith“ bei Diogenes erschienen. Auf der Verlagsseite befindet sich eine Leseprobe.

NDR Kultur besprach das Buch ausführlich bei Erscheinen im Frühjahr 2015, auch in der Zeit und der Welt sind Rezensionen dazu erschienen.

Der Film soll in den deutschen Kinos ab 17. Dezemeber 2015 zu sehen sein, wie Diogenes mir soeben mitteilte.

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