Lieblingstrailer: Inside Llewyn Davis

Folge zwei meiner Lieblingstrailer. Diesmal geht es um „Inside Llewyn Davis“:

Ein ungewöhnlicher Film der Coen-Brüder, die von „No Country for Old Men“ abgesehen, eher eigenes Material in Szene setzen. Und doch ist ein typischer für beiden Brüder als man anfangs glauben mag. Wer sonst würde sich fragen, warum man einen Folksänger zusammenschlagen sollte – wie Ethan Coen eingangs des Spiegel-Interviews meint. Ohne lange nachzudenken, folgt die Antwort auf dem Fuß: Weil sie ein Gespür für Verlierer haben.

Und auf dieser Tour folgt der Film seinem Helden, der die im Umbruch befindliche Folkszene Anfang der 1960er Jahre perfekt verkörpert. Oder wie Ethans Bruder Coen in dem Interview weiter ausführt: die Folksänger wissen wie Llewyn Davis nicht, wohin sie gehen wollen. Statt sich zu entwicklen, ja vielleicht ein wenig erfolgreich zu sein, drehen sie sich im Kreis – und werden am Ende vergessen sein.

Kein warmes Licht für Llewyn Davis

Und genau diesen Ton der frühen 60er Jahre treffen Film und der kongeniale Trailer hervorragend. Die Kamera von Bruno Delbonnel (nominiert für den Academy Award) umgibt ihren Helden oft in grauen, dunklen, fahlen Tönen, seine Unrast und Ziellosigkeit gut unterstreichend. Fast könnte man meinen die Filmemacher gönnten ihren Protagonisten keine warmen Farben. Nicht, weil er im eigenen Misserfolg stehen bleiben, sondern er selbst kaum Wärme und Sympathie ausstrahlt und sich lieber um sich statt um seine Umwelt dreht.

Die Katze, John Goodmans Einwürfe als drogenabhängiger Jazzer und natürlich der Song – alles passt wunderbar zusammen. Der Trailer ist perfekt geschnitten, führt in die Handlung ein, gibt Stimmung des Films vor, ohne mehr von der weiteren Dramaturgie und den Musikacts preiszugeben. Alles ist aus einem Guss – ein Arthouse-Film, der auch jene begeistern sollte, die sonst wenig mit den Coens anfangen können.

A solo act?

 

No, I had a partner… he threw himself off the George Washington Bridge.

 

George Washington Bridge? You throw yourself off the Brooklyn Bridge, traditionally. George Washington Bridge? Who does that?

 

Auch wenn Ethan und Joel ein Originaldrehbuch verfasst haben, so ist die Inspiration dahinter doch unverkennbar: Dave van Ronk. Seine Autobiographie ist Grundlage für den Film, seine Szenerie und gewährt einen intimen und kaum zu überbietenden Einblick in die Folkszene von Greenwich Village. Dave van Ronk galt Institution, er war einer der Folksänger schlechthin, geschätzt von Bob Dylan und Joan Baez, wie im Rolling Stone ausführlich nachzulesen ist. Auch der Guardian widmete diesen fast vergessen „Folk-Riesen“ eine breite Hintergrundgeschichte.

Foto: Random House/Heyne Verlag
Foto: Random House/Heyne Verlag

Das Schöne ist: Vor dem Filmstart erschien seine Autobiografie auch auf Deutsch. „Der König von Greenwich Village“ ist als Taschenbuch und E-Book im Heyne Verlag erschienen.

Auf dem Medienjournal-Blog gibt es eine ausführliche Buchrezension die zu folgendem Fazit kommt:

Der König von Greenwich Village ist sowohl Autobiografie als auch geschichtliche Aufarbeitung des Folk-Revivals in den 1960er-Jahren und für alle Musikfreunde eine Empfehlung wert.

Die ausgesprochen gut aufgemachte und informative offizielle deutsche Filmseite enthält noch mehr Informationen zu dem Film. Der Song aus dem Trailer ist auch auf dem Soundtrack enthalten: „Fare the well“, vorgetragen von Darsteller Oscar Davis und Marcus Mumford. Auf YouTube gibt es ein Video wie beide das Lied live im CaffeVivaldi vortragen.

Der Film ist auf DVD und Blu Ray bei Arthaus erschienen. Wem die Musik besonders gut gefallen hat, sollte zur Special Edition greifen. Sie zeigt die Schauspieler, Marcus Mumford und den Soundtrack-Spezialisten der Coen-Brüder, T Bone Burnett, beim Einspielen der Lieder für den Film. Als VOD-Version ist „Inside Llewyn Davis“ ebenso erhältlich.

Zum Abschluss nochmal der Trailer im Original, der besonders wegen John Goodmans Stimme zweimal soviel Spaß macht:

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