Kürbisfest statt Spartag

Kürbisfest. Das heißt bei uns traditionell: „Tim Burton’s Nightmare before Christmas“ anschauen. Wie Weihnachten ohne „Olaf, der Elch“ bei uns nicht geht, schlägt am 31. Oktober alljährlich die Stunde von Jack Skellington, dem Kürbiskönig von Halloweentown:

Es ist aber eben nicht nur Kürbisfest, Reformationstag wird ebenso heute gefeiert. In sechs Bundesländern heißt es für Kinder heute: schulfrei, auch wenn das am Sonnabend kein wirkliches Glück ist. Ich meine, auch noch einen schulfreien Reformationstag erlebt zu haben, muss Jahrzehnte her sein – oder war es nur ein „gefühltes frei“? Immerhin: in zwei Jahren darf Tochter Ylva dann auch am 31. Oktober nicht zur Schule gehen. Luther, nicht der Kürbis wird dann groß in Deutschland gefeiert – nur zur Erinnerung.

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Haustür in New York (Greenwich Village) im Jahr 2011 (eigenes Foto)

Heute ist gleichsam auch Wolfgangstag und eigentlich auch Weltspartag. Der war schon gestern dran, weil Samstag offenbar bei Banken nicht (mehr?) als echter Werktag zählt – was einiges über den Unterschied zwischen Finanzdienstleistern und Einzelhändlern sagt. Sei’s drum, der Spartag war gestern schon dran, Niedrig- oder gar Minuszinsen hin oder her.

Ich habe nochmal nachgesehen: dieser Nicht-Ausgabe-Tag wird schon seit 1925 gefeiert (recht weitblickend, wenn man bedenkt, dass der „Schwarze Freitag“ nur vier Jahre später folgte und das ganze Sparen nun völlig vergebens war).

Wie man Kindern wohl heute in Kredithäusern erklärt, dass man stets schön sparen müsse, damit man später das vermehrt Angesparte fein ausgeben kann…

Welchen Kürbis hätten S‘ denn gern?

Ich holte mein Sparschwein früher stets mit meiner Oma oder meiner Mutter in der Sparkasse am Klesmerplatz in Salzgitter-Bad ab. Ganz in rot, oft gab es noch ein Spielzeug dazu – jahrelang ging das so. Gespart habe ich deswegen natürlich trotzdem nicht, obwohl die Zinssterne damals noch günstig standen. Salzgitter ist eben nicht Schwaben…

Und heute? Welches Kind kennt noch den Weltspartag? Das klingt wie aus einer längst vergangenen Epoche, in der Geld ausgeben als Schande über kleine Kinderköpfe hereinbrach und mit Stubenarrest geahndet wurde. Wo alle Welt heutzutage lieber ausgibt als spart – Entschuldigung, wieso denke ich gerade an Griechenland? -, müsste es eher einen „Weltschulden-„, „Weltkonsum-“ oder „Weltdispotag“ geben. Alexis Tsipras, übernehmen Sie!

Aber wo früher noch rote Schweine am 31. Oktober die heile Kinderwelt bestimmten, heißt es heute nur sauer: Welchen Kürbis hätten S‘ denn gern?

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