Heute in den Kinos: Spotlight

Heute läuft in den Kinos der Film „Spotlight“ an, der die Arbeit des „Boston Globe“ und seines titelgebenden Rechercheteams zeigt, wie sie den Missbrauchsskandal in der hiesigen katholischen Kirche aufdecken.

Der Film von Tom McCarthy ist mit Michael Keaton, Rachel McAdams, Mark Ruffalo, John Slattery und Liev Schreiber sowie Stanley Tucci hochgradig besetzt. Grundlage ist die intensive Recherche des Spotlight-Teams vom The Boston Globe, das für seine Recherche und die Veröffentlichung mit dem Pulitzer-Preis bedacht wurde (zum Nachlesen des Artikels, der die Geschichte ins Rollen brachte, geht es hier, einen ausführlichen Hintergrundbericht zur Entstehung des Films gibt es hier auf der Seite des Globe).

Spotlight folgt den Spuren des noch immer grandiosen, zeitlosen „Die Unbestechlichen“ („All the President’s Men“) mit Robert Redford und Dustin Hoffman als Carl Bernstein und Bob Woodward. Wie Alan J. Pakulas Klassiker versucht Tom McCarthy nicht, die Journalisten als Helden darzustellen, sondern als akribische Arbeiter, die eine (gewaltige) Geschichte veröffentlichen wollen – realistisch, skeptisch, sachlich und nicht von messianischem Eifer beseelt, sondern einem Ethos für Gerechtigkeit folgend (dazu nochmals ein Verweis auf einen eigenen Artikel des Globe).

Altmodisch funktioniert prima

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Photo by Open Road FIlms – © Open Road Films

Der Appell an den Glauben des vom Aussterben bedrohten Qualitätsjournalismus ist bei den Oscars für Film, Regiearbeit, männliche und weibliche Nebenrolle, Drehbuch sowie Schnitt nominiert – durchaus mit Chancen für den besten Film. Das Ensemble gewann bei der diesjährigen Verleihung der Schauspielergilde SAG.

 

Die Kritiken von Verena Lueken in der FAZ und Philipp Holstein in der Rheinischen Post kommen zum gleichen Schluss für den schnörkellosen, auf Mätzchen und Pathos verzichtenden Film (hier zur offiziellen englischen Seite): „Altmodisch funktioniert prima.“ Auch Fritz Göttler von der Süddeutschen Zeitung sieht in McCarthys Films die Tugenden des Pakula-Films wieder, jedoch ohne dessen „lässigen Touch.“

Die Woodward/Bernstein-Zeitung ist weniger skeptisch. Die Washington Post, die den Watergate-Skandal mit seinen Veröffentlichungen aufdeckte, hebt den Film ins „Pantheon der großen Journalismus-Filme.“ New York Times-Kritiker A.O. Scott bringt die Qualitäten „Spotlights“ in seiner lesenswerten Rezension auf den Punkt:

The movie celebrates a specific professional accomplishment and beautifully captures the professional ethos of journalism. It is also a defense of professionalism in a culture that increasingly holds it in contempt.

Warum Qualitätsjournalismus unverzichtbar ist, erklärt einer der Hauptbeteiligten am selbst. Martin Baron (gespielt von Liev Schreiber) war damals Globe-Chefredakteur und ist seit 2012 „Executive Editor“ der Washington Post. In seinem Artikel erklärt er, warum es bei „Spotlight“ nicht um ihn geht, sondern um die Macht der Journalismus.

Und weil man es immer wieder sehen kann, hier die Schlussszene aus „Die Unbestechlichen“:

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3 Kommentare zu „Heute in den Kinos: Spotlight

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