Filmkritik: Zoomania

Mit „Zoomania“ ist soeben der 55. abendfüllende Zeichentrickfilm aus dem Hause Disney in den deutschen Kinos angelaufen. Wie auch „Baymax“ stammt der Film um das Hase-Fuchs-Gespann Judy Hopps und Nick Wilde nicht von Pixar, wie man zuerst vermuten mag, sondern von den hausinternen Walt Disney Animation Studios.

Die Story von „Zootopia“, wie der Film im Original heißt, ist dank Disney-Wikia rasch auf den Punkt gebracht:

Judy Hopps, zieht in die Stadt, um ihren Kindheitstraum als Polizistin zu arbeiten, wahr werden zu lassen. Als Hase hat sie es, im Gegensatz zu den anderen Tieren, die bei der Polizei arbeiten, nicht gerade leicht. Hasen sind typischerweise – ganz ihrer Natur nach – eher ängstliche und zurückhaltende Tiere. Judy gibt also alles, um sich bei er Polizei in Zoomania zu behaupten. Dabei trifft sie auf den Gelegenheitsganoven Nick Wilde, einen Fuchs, und beide geraten aneinander. Doch schon bald überschatten größere Ereignisse das Treiben in Zoomania: Immer wieder verschwinden Tiere spurlos aus der Stadt. Judy ist sofort Feuer und Flamme dafür, den Fall aufzudecken und kann Nick dazu bringen, sie dabei mit seinem Wissen über die Stadt zu unterstützen.

Bereits in den ersten Minuten offenbart Zoomania eine seiner Stärken. Die Farbpalette und der Detailreichtum sind einfach atemberaubend. Die Sequenz, in der die Jungpolizistin Judy Hobbs von ihrem Posemuckel-Kaninchendorf in die Stadt zieht, ist meisterlich. Nicht nur, dass en passent das Setting der Story vorgestellt wird – die Einführung in das Tier-Metropolis ist an Vielfalt, Farbe und Ausleuchtung ein neuer Meilenstein der Animation – eine visuelle Wucht, die vielleicht sogar nicht ganz zufällig an Ausgestaltung von Baymax‘ ersten Flug erinnert:

Die Ankunft am Zoomania-Bahnhof, durch die Junghäsin die Stadt betritt, ist meisterlich und allein schon ein wiederholtes Ansehen wert (von mir aus sogar in 3D) – und dabei ebenso schwungvoll wie kurzweilig vom Shakira-Titelsong „Try Everything“ kongenial unterstützt wird. Die einhergehende überbordende Detailliertheit (kleiner Tipp: auf die Smarthphone-Logos achten!) der verschiedenen Handlungsorte und seiner Bewohner ist ein Triumph und veranschaulicht eindrucksvoll, wie evolutionär Animation seit Toy Story vorangeschritten ist. Die Zeit brachte es in ihrer Kritik auf den Punkt:

Der Film beherrscht die Kunst, seine Unmenge an kreativen Details zu einem sinnvollen, intelligenten Ganzen zu summieren.

Das Erfreuliche ist, dass tatsächlich alles Sinn macht und die Illusion gekonnt unterfüttert. Unterstützt wird die visuelle Pracht, die Byron Howard und Rich Moore erschaffen haben, von ihrem famosen Drehbuch. Und hier wird teilweise erfreulich spielerisch mit alten Disney-Traditionen gebrochen. Hier wird nicht mittendrin von den Charakteren gesungen, Pathos beschworen oder auf Tränendrüsen gedrückt. Die Charaktere sind pointiert und frech skizziert. Die Botschaft verpackt der Film gekonnt auf Anti-Disney-Art, wie die FAZ findet:

Naiv ist hier gar nichts, „Zoomania“ lässt die Figuren, die lernen müssen, miteinander auszukommen, nirgends zu frommen Verständnisabziehbildchen erstarren; die Garantie dafür, dass die Sache gutgeht, wird konsequent verweigert: Alle haben problematische Wesenszüge, die sie nicht abstellen können und in den Griff kriegen müssen, wenn sie sich nicht lächerlich machen wollen wie die Wölfe mit ihrem dummen Heulreflex.

Das Tempo ist hoch, erlaubt sich nur manchmal einige Pausen  und erlaubt sich wohltuende Seitenhiebe auf reale Gegenwartsprobleme wie Sexismus oder Rassismus. Die Kinder haben mit Hopps eine Identifikationsfigur die zeigt: Wenn du es willst, kannst du es schaffen, du musst es nur ausprobieren und lernen. Auch hier ist Disney in der Gegenwart angekommen: Selbstzweifel und Niederlagen gehören dazu, sind erlaubt und gleiten später nicht in heroischen oder patriotischen Mustern ab. Auch erfreulich: lange tränenreiche Szenen oder käsige Dialoge fehlen. Der Ton ist unaufgeregt, bestimmt, wenn es darauf ankommt und oft herrlich selbstironisch.

Flash, Flash – blitschnell und fesch.

Die Figurenzeichnung ist gelungen. Judy Hopps ist quirlig, smart, beharrlich und liebenswert. Die deutsche Stimme von Josefine Preuß ist treffend gewählt und gibt viel Ginnifer Goodwins Verve im Original wieder. Mein persönlicher Favorit ist Nick Wilde, der im Original von Jason Bateman gesprochen wird. Florian Halm ist als deutsche Besetzung ebenso verschmitzt-verschlagen. Der gerissene Fuchs ist mit seiner Lässigkeit und Spitzfindigkeit ein „scence stealer“ und sicher der Fixpunkt für die Erwachsenen, die sich neben der vielfach gezeigten Faultierszene an einer fantastischen „Paten“-Referenz erfreuen dürfen (und das sind nur zwei von unzähligen Anspielungen – ich sage nur Walter und Jesse) . Die Frotzeleien zwischen „Möhrchen“ Hopps und „Dummfuchs“ Wilde zünden stets und geben dem Film oft das Salz in der Suppe.

Der beste Animationsfilm des Jahres

Fazit: Nach „Alles steht Kopf“ ein weiteres Meisterwerk aus dem Disney-Haus, das im Vergleich zum jüngst oscar-prämierten Pixar andere Tugenden zeigt, aber nicht minder intelligent ist. Die Detailliebe ist berauschend und sinnvoll zugleich. Sie raubt zugleich die Illusion, das in unüberschaubaren Welt überschaubare Probleme mit überschaubaren Lösungen zu finden sind. Daneben ist Zoomania ein Wunder der Animationskunst mit seiner bestechenden Vielfalt und seinen prächtig ausgeleuchteten Szenen.

Was schon jetzt bedauerlich ist: der beste Animationsfilms des Jahres läuft bereits im März. Ob sich mein aktueller Lieblingsfilm gegen Pixars „Findet Dorie“ und Universals „Pets“ behaupten wird? Da bin ich sicher, denn einen Fuchs wie Nick Wilde und Faultiere bieten beide nicht.

 

 

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3 Kommentare zu „Filmkritik: Zoomania

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