Filmkritik: Batman v Superman: Dawn of Justice

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Foto: Warner Bros.

Nun ist die große Hoffnung in den Kinos angelaufen, die dafür sorgen soll, dass Warner Bros. Anschluss an das allseits beliebte und höchst erfolgreiche Marvel-Universum findet. Genau genommen, startete dieser Versuch bereits mit Zack Synders Superman-Reboot „Man of Steel“. Und an dessen Geschichte knüpft „Batman v Superman: Dawn of Justice“ fast nahtlos an.

Wie genau? Die Inhaltsangabe von Kino.de bringt es ohne viel zu verraten auf den Punkt:

Nach dem kolossalen Kampf zwischen General Zod (Michael Shannon) und Superman (Henry Cavill) in „Man of Steel“ ist die Metropolis von immensen Kollateralschäden betroffen. Die Menschheit hinterfragt die Rolle von Superman, wodurch dieser in ein gefährliches Spannungsverhältnis gerät. Für die einen stellt das gottgleiche Wesen eine große Gefahr dar, der andere Teil der Menschheit sieht in ihm einen messianischen Erlöser. Zu seinen kritischen Betrachtern zählt auch Bruce Wayne (Ben Affleck), der mit seinem Alter Ego Batman einen strengen Kodex einhält: Das Töten von Feinden ist für ihn tabu. Dagegen hat Superman jedoch verstoßen. Gothams dunkler Ritter sieht daher in Superman eine Bedrohung und beschließt , gegen den überlegenen Gegner vorzugehen. Doch während sich die beiden Superhelden einen Kampf mit ungewissem Ausgang liefern, zieht eine noch viel größere Bedrohung heran, der sie sich stellen müssen.

BATMANDIERDCCKKEHRDESDUNKLENRITTERS_497Zack Snyders Film der beiden DC-Ikonen basiert in großen Teilen auf dem bahnbrechenden Comic „Die Rückkehr des dunklen Ritters“ von Frank Miller (auf deutch bei Panini erhätlich). Auch dort kehrt (der im Vergleich zum Film deutliche ältere) Bruce Wayne aus dem Ruhestand zurück und liefert sich mit Superman einen Kampf um Leben und Tod. Für alle, die den Comic nicht kennen: er ist die Neudefinition von Gothams Vigilanten. Batman war nie grimmiger, politischer und rücksichtloser im Kampf gegen das Verbrechen. Nicht von ungefähr sind Spuren davon auch in Christopher Nolans Trilogie des dunklen Ritters zu finden. Was Nolans Filme und der Miller-Comic teilen: beide verstehen sich auch als Antwort auf die (politische) Kultur Amerikas.

Zack Synder contra Zeitgeist

„Batman v Superman“ (BvS) ist das nicht. Eine intellektuelle Replik auf die aktuelle Kultur? Da gerät die These, von unbeherrschbaren neuen Göttern (auch mit Verweis auf Milliarden-Unternehmen wie LexCorp) jenseits des politischen Raumes nicht nur zu kurz, sondern in die Sackgasse. War Millers „Dunkler Ritter“ auch eine bittere Abrechnung mit der Reagan-Ära und Nolans zweiter Batman-Film ein Verweis auf die Terrorismus-Debatte, so ist Synders Film dazu: nichts. Man muss dem „Sucker Punch“-Regisseur zu Gute halten, dass er es immerhin nicht mal im Ansatz versucht – das sah man bereits deutlich in seiner aus meiner Sicht verschenkten „Watchmen“-Adaption.

Allein: Muss sich nicht eine aktuelle Superhelden-Verfilmung auch aktuellen politischen oder Zeitgeist-Themen annehmen, um sich selbst substantiell zu unterfüttern? Der zweite Captain Amerika-Film hat das grandios vorgemacht. Mit ihm haben die Russo-Brüder nicht nur den bis dato besten Marvel-Film geschaffen. Mit Robert Redford in einer tragenden Rollen gelang auch augenscheinlich der Verweis: das ist hier im Grunde ein politischer (Verschwörungs)Thriller, wie es sie in den 1970er Jahren gab.

So vergibt der Regisseur hier eine große Chance, mehr als ein dunkles Effekt-Spektakel abzuliefern, das als Vorbau für die kommenden Filme des DC-Universum dient. Das wiederum offenbart schonungslos eine große Schwäche des Films: das Drehbuch. Die beiden Schreiber David S. Goyer (bei Nolan an Bord) und Chris Terrio konzentrieren sich auf einen langen epischen Konflikt der beiden Stadt-Helden, lassen aber alles daneben unberührt. Es genügt nicht, die göttliche, apolitische Unbekümmertheit des einen der nimmermüden, aus eigenen Motiven angetriebenen Schutzbefohlenheit des anderen gegenüberzustellen. Auch die Charaktere neben der Fledermaus und „Supes „geraten kurz. Aus den Frauenfiguren Lois Lane und Diana Prince (alias Wonder Woman) machen Buch und Regie einfach zu wenig.

Wie überhaupt in dem Film überwiegt bei den meisten Charakteren die Unentschlossenheit: mehr wagen oder nur das allernötigste zeigen? Lex Luthor ist dafür ein gutes Beispiel. Ein reiner, spleeniger Geek-König nach Zuckerberg-Manier, der sich sich bei der Verfolgung eigener Interessen die Politik zunutze macht?  Oder doch tiefgründiger, mit Vater-Komplex (ja, von der Mutter, die allseits bemüht wird, sagt er nichts)? Die Antwort bleibt Synder uns schuldig und Luthor bleibt ein Absziehbild des verrückten Bösewichts, nur im modernen Gewand. Sympotomatisch: mit Luthor, wie auch mit den anderen Figuren baut der Zuschauer mangels Tiefe keine Bindung auf.

Gelungen ist jedoch ist die differenzierte Zeichnung Bruce Wayne/Batman – Clark Kent/Superman. Das liegt an beiden Hauptdarstellern und an den Motiven der DC-Welt, die dem Mainstream noch fern sind. Ja, Batman und Superman haben schön getötet und Afflecks Batman scheut davor ohne mit der Wimper zu zucken nicht zurück. Moral kommt vielleicht nach der Tat, davor spielt sie keine Rolle. Ben Affleck gibt einen guten Batman, als Bruce Wayne ist er jedoch noch besser. Allen Unkenrufen zum Trotz: seine Darstellung trägt den Film und macht Lust auf einen eigenständigen Ausflug in die Batman-Welt. Auch Henry Cavill macht seinen Superman etwas vielschichtiger, ist in der Kent-Rolle auch weniger stereotyp als in den Vorgänger-Versionen. Diese menschlichen Seiten der Helden-Alter Egos hätte man noch mehr herauszeichnen können – interessant sind sie allemal. Ein Wort zu Wonder Woman: Leider viel zu kurz. Gal Gadot als Amazonen-Prinzessin hätte man mehr Screentime gewünscht. Ihre Auftritte geraten allesamt überzeugend.

Keine Action-Sequenz mit Wiederhall

Kommen wir zur Inszenierung. Dass Zack Snyder kein Freund des Sublimen ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Bombast in Effekten, Sets und Musik finden sich auch hier wieder. Zeitlupen-Einstellungen und Explosionen sind oft frei jeder Logik und dienen nur ihrer selbst. Das Fehlen einer überzeugenden Action-Sequenz mit Wiedererkennungswert (wie der Lastwagen-Überschlag aus „The Dark Knight“) stimmt auch eigenartig, denn: Der Showdown mit Doomsday ist zu aufgeladen, zu unausgewogen was die CGI-Effekte angeht (Doomsday als Troll-Wiedergänger?), zu hektisch aufgebaut – und am Ende dramaturgisch, gemessen an der Länge, auch zu belanglos.

Gleichwohl: Das Problem plagte auch den zweiten Avengers-Film. Bis zur Sokovia-Sequenz funktionierte der Film, danach überwog öder Effekt-Bombast. Timing ist ohnehin ein großes Problem von BvS. Bis die Motive aller dargelegt wurden, sind annährend knapp zwei Drittel des Geschehens bereits vorrüber. So dass auch deshalb der Showdown viel zu löchrig geflochten wirkt. 45-Minuten-CGI-Showdowns wie bei den Transformer-Filmen oder Iron Man 2 beweisen: Endgegner-Kämpfe wirken umso ermüdender,  je weniger sie dramaturgisch aufgebaut wurden. Inszenatorische solitäre Effekt-Endgegnerduelle hinterlassen einen faden Nachgeschmack – auch bei BvS. Zack Synder macht hier allzusehr seinem Ruf als oberflächlicher Stylist alle Ehre.

Fanboy für Fanboys?

Lohnt der Besuch in den Kinos? Das hängt davon ab, wie sehr man BvS als Comic-Fan sieht. Fakt ist: Zack Snyder macht als Fanboy Filme für Fanboys. Und die werden gut bedient. Kameraeinstellungen, Settings und visueller Stil sind das Pfund, mit dem der Film wuchern kann – das gelang ihm auch bei „Watchmen“ schon. Wer mehr erwartet, wird enttäuscht. Intelligent ist der „Man of Steel“-Nachfolger nicht, das ist nicht Synders Vison. Ebenso wie bei „Watchmen“ sind Nuancierungen und Abweichungen vom Comic-Panel nicht seine Sache, optisch soll alles glatt gehen – und da enttäuscht er nicht. Dass der Film so gänzlich humorfrei ist – abgesehen von Lex Luthors verbalem Gehibbel – ist ebenso unverzeihlich. BvS nimmt sich so unnötig viel zu ernst, wie eine Léhar-Operette, die mal Wagner-Oper spielen möchte. Ein Manko, das bereits „The Dark Knight Rises“ umgab – nur da kamen einzelne Oneliner.

Neben der optischen Komponente gibt es ein weiteres Plus: Ben Affleck als Batman. Seine Darstellung als Bruce Wayne ist nicht nur überzeugedner als die Christian Bales. Sie gibt der Figur hinter dem Vigilanten mehr Raum zur Entfaltung und das meistert Affleck sehr gut. Überhaupt überwiegt im ersten Drittel das Gefühl, man sieht einen Batman-Film – sehr gelungen. Die Szenen und Einstellungen mit Batman im Mittelpunkt (und der Bathöhle) machen den Film sehenswert. Auch die Hauptgrundlage, der Miller-Comic, ist an sich kein Nachteil. Wer „Der dunkle Ritter kehrt zurück“ kennt, wird nach den verwendenten Motiven suchen – eben etwas für (Batman-)Fanboys.

Batman macht es sehenswert

Ich habe mich ob inszenatorischer Mängel, dem überladenden, relativ unspektakulär heruntergedrehten Endkampf und der oft lahmen Charakterzeichnung unterhalten gefühlt. Trotz bombastischer Effekte und ebensolcher einfallsfallsloser Hans Zimmer-Musik: langweilig oder zäh ist der Film nicht. Man ärgert sich nicht. Er ist leider oft nur zu sehr an oberflächlicher Stilsicherheit denn an stringenten Inhalten interessiert. Seine Humorlosigkeit ist sicher ein Manko, dass Marvel-verwöhnte Gucker verwunderlich finden werden. Mich nicht wirklich (DC stand mit stets näher), aber ein paar nachhaltige Oneliner wie aus den Nolan-Filmen („Ja, Mr. Wayne, den gibt es auch in schwarz“) hätte es schon geben können. Die Frotzeleien zwischen Butler und Alfred und seinem Master Wayne haben noch Luft nach oben. Conclusio: Angucken, weil die Batman-Einstellungen gelungen sind.

Die zum Teil vollkommen übertriebenen negativen Besprechungen finde ich haltlos. Großartig ist der Film nicht. Sein Problem ist, dass der oberflächliche Glanz nur mickrigen Inhalten folgt und somit (zu) viele verpasste Chancen aufzeigt. Ob das reichen wird, das dunklere DC-Universum genauso erfolgreich wie die lichtere Marvel-Welt werden zu lassen, werden die kommenden Jahre zeigen.

Hier noch zwei nennenswerte Links:

  • In der lesenswerten Filmkritik auf dem Whatever-Blog von John Scalzi geht es um die vollkommen überzogenen Negativreaktionen.
  • Filmstarts macht sich über die Boxoffice-Entwicklung von BvS nach dem Startwochenende Gedanken.
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