Laufen ist Grüßsport

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eigenes Foto

Vielleicht lag es ja an der Uhrzeit. Am späten Sonntag abend bei knapp 28 Grad ist vieles nicht mehr so, wie man es sich wünscht. Es war sehr trocken heiß und man achtet dann womöglich auch mehr auf sich als auf seine Umwelt. Wobei: wer unter freiem Himmel läuft, kann das eine gar nicht von dem anderen trennen. Finde ich jedenfalls.

Ich gebe ebenfalls zu: es könnte auch an mir liegen. Männer fast mittleren Alters mit rotem, verschwitzten Kopf sehen auf dem ersten Blick alles andere als sympatisch aus. Ich will zur Sache kommen, worüber ich mich bei der Abendrunde so aufregte: das Grüßen. Oder vielmehr das Ausbleiben davon. Seit jeher bin ich sofort aufs Neue verstört, nein, verärgert, wenn das Grüßen unter Läufern ausbleibt, wenn auf meinen freundlich gemeinten Handgruß nicht reagiert wird.

Dass es sich dabei um Borniertheit des Gegenübers handelt, schließe ich einfach mal aus. Ich glaube einfach, dass es arrogante Läufer nicht gibt – man muss sich ein Stück Hoffnung erhalten, oder? Und wenn es sie gibt, die hochnäsigen Läufer, dann würden sie sicher aus professionellen Gründen meinen Gruß erwidern. Ich meine: ein huldvolles Nicken kann ja auch eine Art Autogrammkarte sein.

Laufen ist an sich kein Sport für Mätzchen.

Gut, mein guter Freund und Ex-Marathonläufer Hartmut Nitschke meinte mal, dass er noch nie einem freundlichen dreinblickenden Läufer während einer Runde oder bei einem Wettkampf begegnet sei, „aber vielen verbiesterten Gesichtern“. Daran denke ich immer, wenn keiner zurückgrüßt. Laufen ist an sich kein Sport für Mätzchen, Grinsen und Schmunzeln inklusive. Nur: welcher Individualsport ist das schon? Freundlich guckende Gewichtheber oder verschmitzt konzentrierte Kugelstoßer sind wahrscheinlich bewusst noch niemanden aufgefallen – weil es sie eben wohl auch nicht gibt. Im professionellen Wettkampfbereich schon gar nicht.

Ich denke ja auch jedesmal beim Ausbleiben des Wiedergrüßens, dass es nun mal Läufer gibt, die ernster als ich an die Sache herangehen: an Intervalle denken, Schrittfrequenz beibehalten wollen, die Ernährung danach planen und und und. Möglichkeiten gibt es ja viele, die man beachten könnte. Weil ich luschig an die Fitness herangehe, kann ich das nicht von allen anderen auch verlangen. Und ich beneide jene, die streng nach Lauf- und Trainingsplan laufen. Und sicher möchte ich da keinem in seinem Planungsmuster stören. Gott bewahre! Aber bin ich schlechter, weil ich grüße und gegrüßt werden möchte, wenn’s recht ist?

Simpel, wie ich mir oft die Welt einteile, denke ich ja an Gemeinschaft. Unter Läufern für Außenstehende erstmal widersprüchlich. Jeder läuft schließlich für sich allein. Aber gerade darum möchte man sich ja austauschen, nach Wettkämpfen oder eben kurz nonverbal bei Handwinken. Man zeigt doch damit: wir gehören zusammen, machen einen Sport, auch wenn ich deine Zeiten nicht kenne. Bus- und LKW-Fahrer grüßen sich unbekannterweise ja auch, Biker erst recht. Was soll auch daran schlecht sein?

Läufer werden zu Grüßern

Am Sonntag haben mehr als 80 Prozent meiner Mitsportartmenschen nicht zurückgegrüßt. Einige guckten zurück, andere absichtlich weg, die nächsten ignorierten mich. Jedesmal möchte ich die sofort überrunden und ihnen noch eine lange Nase ziehen im Geiste. Geht aber auch anders. Einen Tag vorher bin ich Anja von Pacecraft begegnet. Ich kenne sie schon ewig, sie ist die große Schwester des Patenkindes meiner Frau und eine formidable (Marathon)Läuferin, wie ihr Blog zeigt. Sie hat gleich zurückgewinkt als wir uns morgens im Park begegnet sind. Sie hat sogar beim zweiten Begegnen etwas zu mir gesagt, was ich durch die Kopfhörer aber nicht verstand.

Trotz des steten Verdrusses über Tunnelblick- oder Ignoranzläufer: ich grüße weiter. Anjas Blog hat das Motto: „Mit pacecraft werden Jogger zu Läufern“. Das werde ich weiter abgewandelt auch für mich nutzen. Warum sollen durch mich nicht Läufer zu Grüßern werden? Ich bin stark der Meinung, dass Laufen oft nicht nur Frühsport, sondern vor allem auch Grüßsport ist.

In diesem Sinne…

 

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12 Kommentare zu „Laufen ist Grüßsport

  1. Da bin ich ganz Deiner Meinung. Uns nervt das auch jedes Mal aufs Neue, dass so viele Läufer nicht zurückgrüßen. Selbst wenn man gerade mitten in irgendwelchen Intervallen steckt, sollte es doch möglich sein, wenigstens einen Finger zu heben als kleines Zeichen. Übrigens: Wenn Du mal drauf achtest: Trailrunner grüßen IMMER!
    Aber na ja, auch diejenigen, die nicht grüßen, sind mir immer noch lieber als manch „Hopphopphopp“ schreiender Spaziergänger. Ist zwar sicher nett gemeint, aber das nervt schon ziemlich ; -)

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    1. „Selbst wenn man gerade mitten in irgendwelchen Intervallen steckt, sollte es doch möglich sein, wenigstens einen Finger zu heben als kleines Zeichen.“ – Oder? Finde ich auch.

      „Übrigens: Wenn Du mal drauf achtest: Trailrunner grüßen IMMER!“ – Korrekt, ist auch mein Eindruck. Die Möchtegerne, Gernegroßens und Overquipten tuns meist nicht.

      „…immer noch lieber als manch „Hopphopphopp“ schreiender Spaziergänger“…“ Allerdings.

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  2. Ich kenne das nur zu gut gehe jeder Woche zweimal im Stadtwald laufen und das seid mehreren Jahren und grüßen ist hier leider Fehlanzeige. Wenn ich dagegen an einem See bei meinen Eltern joggen gehe der mit 14km schon echt groß ist grüßt Gefühlt jeder zweite. Und mir kann keiner erzählen das man im Training nicht mal ein Handbewegung Zeit hat zu grüßen. Bin also voll und ganz deiner Meinung.

    Mittwoch geht es dann zur Ultimate Challenge beim Kölner Unilauf.

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    1. „Und mir kann keiner erzählen das man im Training nicht mal ein Handbewegung Zeit hat zu grüßen…“. Es soll ja auch nicht überschwänglich sein. Aber gar nicht grüßen oder extra abdrehen…? Ich kapier’s nicht. Ist doch ne schöne Geste, die man erwidern kann.

      Toi Toi Toi für den Lauf!

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  3. Ich sagte: „Ich laufe nur eine kurze Runde und jetzt schon wieder nach Hause!“ Das war die Antwort auf dein kreisförmiges Fingerfuchteln, dass ich als „Hihi, wir laufen beide im Kreis, nur in entgegengesetzte Richtungen!“ interpretiert habe.

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      1. Ach, Anfeuern war das! Na, fürs nächste Mal weiß ich dann Bescheid. 🙂 Gefreut hat es mich auf jeden Fall!

        Und selbstverständlich wird fröhlich weiter gegrüßt. Auch die ganz muffelig, verkniffenen Intervallläufer. Irgendwann winken die auch mal zurück! Wir müssen nur dran bleiben!

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