Laufen ist Kausport?

Wer regelmäßig läuft, ist abgehärtet. Regen, Schwüle, schwere Beine – all das nimmt der Läufer ohne großes Murren mit. Auch gegenüber Outfits und Laufstil anderer auf der Laufstrecke legt man irgendwann eine gepflegte Ignoranz und Großzügigkeit an den Tag, je nach dem wie sehr man äußere Umstände noch an sich heranlässt. Jedenfalls geht es mir so.

Und doch: manchmal erblickt man Dinge aus dem läuferischen Augenwinkel, die einen doch verwundern lassen. Ist mir auf meiner Abendrunde so gegangen. Ich hatte zwar meine Brille nicht auf, konnte indes deutlich erkennen, was ein entgegenkommender wesentlich jüngerer Runner tat (abgesehen vom Nicht-Grüßen): Kaugummi kauen.

Durch Kauen ins Chaos

Ich war so nachhaltig perplex, dass ich mir während der gesamten Laufrunde Gedanken zu dem Kauläufer machte. Zuerst schoss mir durch den Kopf: das geht doch gar nicht! Das macht macht einfach nicht! Während ich ächze und pruste, kann man doch nicht einfach lässig ein Hubba Bubba zwischen den Kiefern haben. Ich habe schon Mühe genug, gleichmäßig zu atmen und die Bewegungsabläufe relativ gleichmäßig und flüssig hinzubekommen. Und dann noch kauen? Meine Mund-Speichel-Atem-Bewegungs-Koordination würde komplett ins Chaos gleiten. Ganz zu schweigen von dem sehr wahrscheinlichen Fall des Verschluckens. Ich stelle mir vor, in größter Not einen Nordic Walker um dem Heimlich-Griff bitten zu müssen. Eine Schmach, die mich bis zum Ende meiner Läufertage verfolgen (wenn nicht gar überrunden) würde.

Guter Speichel, schlechter Speichel

Ich habe mich sogleich in Phase zwei meiner Kaugummi-Überlegungen gefragt: Wozu und womit? Was bringt einen während der sportlichen Aktivität dazu, zu kauen? Sicher, Fußballer machen es, Baseballer haben ihren Kautabak und beim Tontaubenschießen mag es sogar eine Form der inneren Entspannung sein. Aber beim Laufen, wo man ja kaum Pausen hat? Was soll das bringen, außer eine gewisse äußere Form der Lässigkeit?

Das Netz gibt Antwort, und zwar in Form von Achim Achilles. In einem Beitrag schreibt er, dass laut einer Studie Läufer häufiger unter Karies leiden. Um dem entgegenzuwirken, könne man eine Menge tun oder lassen, aber eben ausdrücklich auch: Kaugummis kauen. Zuckerfrei müsse es schon sein – ist ja klar, niemand würde „Hubba Bubba Cola“ wählen – und schon würde der Speichelfluss im Mund erhöht werden. Motto: mehr Speichel, mehr Kariesschutz. Wenn das kein Startschuss für eine Soap-Opera im dentalen Läufermilieu ist: Guter Speichel, schlechter Speichel.

Ein Kiefer wie Arnold

Mir ist das nicht geheuer, bin ich doch froh, so wenig Flüssigkeit wie möglich im Mund während der Aktivität zu haben. Wer will schon aussehen wie ein Boxer – der Hund, nicht der Sportler -, wenn er läuft? Dann habe ich mich gefragt, ob vielleicht eine ärztliche Ansage hinter dem Zermalmen während der Parkrunde stecken könnte? „Sehen Sie, Ihre Kiefer sind schwach ausgeprägt. Sie joggen? Wunderbar! Werfen Sie sich einfach beim Laufen ein Kaugummi und nach 10 Jahren haben Sie einen Kiefer wie Arnold Schwarzenegger!“ Wer pflichtbewusst ist und auf seinen Zahnarzt hört, macht so etwas – oder will einfach auch mal Terminator werden…

Die Seite Sport Supreme ist da viel rigoroser. Sie listet Einsteigern sechs Fehler auf, die den Lauferfolg verhindern: „Diese 6 Fehler darst du nicht machen!“ Wer sich daran hält, würde sein Laufen enorm verbessern. Fehler Nummer eins: Kaugummi kauen. Wusst ich’s doch! Bissgefahr drohe, unregelmäßige Atmung sowieso und Erstickungsgefahr – kurz: der Kaugummi ist der natürliche Feind des Läufers.

Vielleicht liegt die Wahrheit ja irgendwo dazwischen und der Kaugummi ist nicht nur Beiwerk, oder Kariesverhinderer sondern: Förderer. Vielleicht ist das Kauen bestimmter Marken ja sogar leistungsfördernd? In einem Forum für bestimmte Kaugummi-Drages sind sich einige Kommentare da ganz sicher. „Fred220“ berichtet voller Stolz:

Hammer Kaugummi. Ich benutze den täglich 6 Tage die Woche beim Joggen im Fitnesstudio.

Die Markteinführung der „Gums“ (wie sie ein Kommentator nennt) ist jetzt zwar schon vier Jahre – aber ich frage mich schon:

  • Wie war das noch mit dem Menthol-Doping?
  • Wenn Nase und Lunge dadurch frei sind und noch dazu der Mund gut riecht – warum machen es dann nicht alle?
  • Warum werden statt Wasser und isotonischer Getränke nicht Kaugummis an der Verpflegungsstationen bei Laufrennen gereicht?
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eigenes Foto

Als abschließenden Gedanken schwebte mir vor, wie der Kauläufer sein Angebot gekonnte abrunden könnte: mit einem Bauchladen, der mir ein Getränk ermöglichen würde. Zahlen könnte ich ja per NFC – wozu nicht das Smarthphone jenseits der Lauf-App und Musikzufuhr nutzen? Aber dazu wird es sicher nicht kommen. Eher werden sich meine Runden ab und an wieder wie Kaugummi ziehen.

So ist der Laufsport nunmal: man muss sich hin und wieder einfach durchkauen, manche gar buchstäblich.

 

 

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4 Kommentare zu „Laufen ist Kausport?

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