Jerry Maguire

Ich muss gestehen, ich habe eine kleine Schwäche für Tom Cruise. In seiner Zeit als aufstrebender Kinostar in den 1980er/1990er-Jahren habe ich ihn jenseits von „Top Gun“ in Filmen im Kino gesehen, in der er beachtliche Leistungen zeigte: „Rain Man“ und „Die Farbe des Geldes“. Später kam noch „Eine Frage der Ehre“ hinzu, in dem Cruise ebenfalls eine sehr gute Rolle spielte. Wir halten fest: er spielte vor seinen Franchise-Filmen und Action-Streifen an der Seite von Dustin Hoffman, Paul Newman und Jack Nicholson – und bestand neben ihnen.

Filmfreunde werden sicher zustimmen: es gab eine Zeitlang den typischen Tom Cruise-Film: unterhaltsam, action-lastig, leichtverdaulich. Und allen voran: Tom Cruise, überpräsent, ohne Schwächen, mit vielen Großaufnahmen, oft zu ernst, wenig augenzwinkernd, zu gewollt und mit Sicherheit in einer Szene zu sehen, in der er läuft (was noch immer einer seiner Standards ist). Ein Mensch ohne menschlich zu sein – das war oft seine Sache in den Filmen jener Zeit.

eigenes Foto
eigenes Foto der britischen Blu Ray-Disk.

Wo er abgesehen von der obligatorischen Lauf-Szene genau jene Vorurteile gegen seine Darstellungskunst widerlegt, ist der Film „Jerry Maguire“, den Cameron Crowe 1996 inszenierte. Zerbrechlich, menschlich, humorvoll, augenzwinkernd und zurückgenommen wirkt der Superstar aus Syracuse dort.

Was mir neben dem großartigen Drehbuch und der Regie Crowes, dem ich auf ewig für „Almost Famous“ dankbar sein werde, wirklich imponiert: wie sich Cruise in den Dienst der Handlung stellt, seinen anderen Darstellern Raum und Zeit zum Aufblühen lässt – die Szenen mit Jonathan Lipnicki als Sohn der alleinerziehenden Dorothy Boys (Renée Zellwegger) waren so vorher keine Cruise-Nummer. Der Mann kann ungleich mehr, wenn man ihn entsprechend (gegen den Strich) besetzt, wie in „Magnolia“.

Ensemble  ist eine wahre Freude

Aber es geht hier nicht allein um den Megastar. Ich mag den Film aufgrund seiner gekonnten Inszenierung. Die Charaktere sind dreidimensional, glaubhaft und lassen den Zuschauer mitfühlen. Das gesamte Ensemble ist exquisit gewählt, nicht zu vergessen der ohne Credits spielende Beau Bridges als Frank Cushmans Vater. Die Cruise-Szenen mit Cuba Gooding Jr. und besonders mit Zellwegger sind „eine wahre Freude“, wie US-Filmkritiker Roger Ebert seinerzeit zurecht lobte.

Neben den Darstellern glänzt Crowes Original-Drehbuch (hier komplett einzusehen), das wie Ebert feststellte, fast schon zu viele Subplots erzähle. Desweiteren besticht der Film durch seinen Schnitt und wie bei allen Werken des Regisseurs durch die exzellente Musikauswahl (sie findet man, wie alle weiteren Informationen auf der Wikipedia-Seite des Films). Wer denkt nicht an „Secret Garden“, wenn man von Jerry Maguire spricht:

Für mich ist der Film ein moderner Klassiker, der zurecht für fünf Oscars nominiert war. „Show me the money“ und „You had me at hello“ zählen längst zum Filmkanon und finden sich auf Seite der 100 bekanntesten Filmzitate des American Film Institutes (AFI) wieder. Das dritte, „You complete me“ fand zudem eine (gewollte?) Referenz in Christopher Nolans zweitem Batman-Film „The Dark Knight“ (siehe den Artikel von The Playlist).

Mit Billy hätte es noch mehr Spaß gemacht

Er erinnert nicht von ungefähr an Billy Wilders „Das Appartment“, was umso bemerkenswerter ist, als das Cameron Crowe den Altmeister als Dicky Fox besetzen wollte (für Fans des Films ist der Post von Crowes „The Uncool“-Blogs im Rolling Stone Magazine ein Muss und Vergnügen zugleich). Ein kleiner Auszug:

“There is a part I want you to play in my movie,” I announced.

“I don’t act,” he said quickly. “I won’t do it.”

“It’s just a small part.”

“Then I definitely won’t do it,” he fired back.

Nebenbei eine weitere Empfehlung wert ist das Buch „Hat es Spaß gemacht, Billy Wilder?), das ich Filmfreunden gar nicht hoch genug anpreisen kann (hier dazu die FAZ-Kritik).

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eigenes Foto

Warum das nun alles? Anlässlich des 20. Geburtstags veröffentlicht Sony Pictures auch hierzulande eine neue Blu Ray-Fassung, die mit einem neuen gemasterten 4K-Bild aufwartet (auf Sonys deutscher Homevideo-Seite lässt sich auch der Trailer in deutsch ansehen).

You had me at 4K

Zu dem Bonusmaterial der ersten Blu Ray finden sich neue Supplements, unter anderem eine Retrospektive sowie erstmalig herausgefallene und erweiterte Szenen. Bluray.com lobte in seiner Besprechung besonders die neue Bildabtastung als „phänomenal“ und umschrieb die Kaufempfehlung eingangs mit den Worten „You had me at 4K“. Ich freue mich schon.

Unklar ist, ob in Deutschland auch der englische DTS-Ton enthalten sein wird. Während viele Händler sowie das Portal Blu Ray-Disc.de bei der britischen Blu Ray die englische Sprache deutlich als 5.1-DTS-HD-Ausgabe ausweisen, fehlt der Hinweis auf Sonys deutscher Home Entertainment-Seite. So oder so: deutscher Ton ist bei beiden Scheiben enthalten.

Flankierend um 20 Jahre Jerry Maguire hat die National Football League (NFL) zwei „A Football Life“-Videos ihrer größten Stars veröffentlicht: Rod Tidwell und Frank Cushman:

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